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Ming Seide Chinesischer Seidendamast

Die Seidenherstellung ist in Tibet wegen des Höhenklimas nicht möglich. So wurden aus China und anderen asiatischen Regionen Seiden für den sakralen und profanen Bedarf importiert. Während der Mingzeit bedienten chinesische Seidenmanufakturen sogar speziell den tibetischen Markt, indem sie bei Stoffen für Kleidung und Einrichtung die buddhistische Ikonografie umsetzten. Es gibt verschiedenste Originalquellen, die den regen interkulturellen Austausch illustrieren. So schreibt Kaiser Jongle, der sich intensiv mit dem tibetischen Buddhismus beschäftigte, einen Einladungsbrief. Er ist gerichtet an Deshin Shekpa (1384–1415), den fünften Gyalwa Karmapa, Oberhaupt der Kagyu Schule, der Beerdingungszeremonien für die verstorbenen kaiserlichen Eltern durchführen soll: „Du bist meine einzige Hoffnung, Essenz der Buddhaschaft. Bitte komm schnell! Ich sende als Gaben einen großen Silberbarren, 150 Silbermünzen, 20 Rollen Seide, einen Block Sandelholz, 150 Teeziegel und zehn Pfund Räucherwerk.“ Ob Kleidung, Tankha Abdeckungen oder Zeremonialtücher, sorgfältig wurden die kostbaren Stoffe in den Klöstern aufbewahrt. Das trockene, kalte Klima begünstigte nun die Erhaltung der Textilien.

Die Jahrhunderte überlebte dieser Lotus im Himmel in der Bibliothek eines tibetischen Klosters als Sutra Umschlagtuch. Das eingewebte Muster mit wirbelnden Wolkenbändern erinnert an den Mythos vom Atem (Chi) des lebenschöpfenden Drachen, der die Welt formt. Die naturalistisch mehrfarbig gestickte Lotusblume ist ein Ursymbol des Buddhismus. Sie steht für den Glauben selbst, für Reinheit und Wahrheit. Der blaue Wolkenband Damast mit der heiligen Blume ist ein wunderbar elegantes Beispiel für die Hochzeit der chinesischen Seidenstickerei der Ming Dynastie.

Besitzer: Markus Voigt, London
Format: 100 x 37 cm
Alter: 16. Jahrhundert
Kette: Seide