0087-Mejidi

Mejidi Türkei

Der osmanische Sultan Abdülmecid I (ausgesprochen: Abdul Medschid), der von 1839 bis 1861 regierte, ist berühmt dafür, der erste Sultan gewesen zu sein, der versucht hat, die Türkei und das Osmanische Reich zu verwestlichen. Er war der erste, der anstatt traditioneller türkischer Kostüme Kleidung im europäischen Stil trug. Der Mecidi-Stil, der nach ihm benannt wurde, trat zuerst in der Architektur (Dolmabahçe-Palast in Istanbul) auf, breitete sich jedoch, teilweise angeregt von europäischen Vorbildern, schnell in allen Formen der angewandten Kunst (darunter Teppiche) aus.

Dieser seltene und bezaubernde, weißgrundige Gebetsteppich, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Zentralanatolien geknüpft wurde, ist ein hervorragendes Beispiel für diesen Stil, der auch in Gördes und in anderen anatolischen Teppichen zu finden ist. Obwohl es unklar ist, ob dieses alte Stück mit wunderschöner Farbgestaltung den Webstühlen von Kırşehir oder von Mucur (Mujur) entstammt, ist es eindeutig in einem außergewöhnlich guten Zustand. Das ungewöhnliche Muster ist verwandt mit den traditionellen „Säulen-Gebetsteppichen”, die stilistische Gestaltung wurde jedoch vollkommen neu interpretiert, was durch das Fehlen einer echten Bordüre, naturalistisch anmutenden Darstellungen von Blättern und Blüten und der Präsenz einer stilisierten, am unteren Ende der Gebetsnische dargestellten, Landschaftsszenerie mit zwei kleinen Gebäuden (womöglich eine Kirche und eine Moschee) betont wird.

Bei der Webtechnik fällt insbesondere auf, dass „Versatzlinien“ (sogenannte „lazy lines“) vorhanden sind, die normalerweise typischer für frühere, klassische Ushak-Teppiche sind.

Besitzer: Alberto Boralevi, Florenz
Format: 167 x 104 cm
Alter: 2. Hälfte 19. Jahrhundert
Zustand: sehr gut
Kette: Wolle
Flor: Wolle